Caritas-Beratung in Not

Kompetenz und Geduld

Hilfe in unterschiedlichsten Lebenslagen

Meiners, Dirk1Dirk Meiners weiß, wo die Menschen der Schuh drückt. Seit über 29 Jahren berät er Klienten, die mit ihren Sorgen zu ihm kommen.

Das Gebiet im Oberschwäbischen mit seinen rund 110.000 Einwohnern gilt zwar als wirtschaftlich solide - doch es gibt auch Not. Bittere Not. Das weiß Dirk Meiners nur zu gut.

Die Menschen, die ihn in seinem kleinen Friedrichshafener Büro aufsuchen, kommen mit allen möglichen Problemen: Armut, Arbeitslosigkeit, Krankheit, Sozialhilfe, Probleme mit Behörden, Schulden und persönlichen Krisen. Außerdem stehen die Themen Trennung und Scheidung, Armut trotz Arbeit, fehlender bezahlbarer Wohnraum und drohende Obdachlosigkeit auf der Tagesordnung. Nicht erst seit der Flüchtlingskrise suchen auch immer mehr Menschen mit Migrationshintergrund Rat beim Sozialarbeiter. "Mir war immer wichtig", so der 55-Jährige, "dass ich für die Menschen da bin mit qualifizierter Beratung und Zeit." Und das ist auch gleichzeitig das Problem: Da Meiners nur zu 50 Prozent in der Allgemeinen Sozialberatung arbeitet, müssen seine Klienten schon mal drei oder vier Wochen auf einen Termin warten.

Corona-Krise erforderte Umstellung und Flexibilität 

Meiners, Dirk3Dirk Meiners berät Menschen in Not. In der Krise musste er flexibel sein und mehr Telefon- und Internet-Beratung anbieten.

Einfacher wurde die Arbeit nicht seit März, seit das Corona-Virus sich ausbreitete und die Caritas-Mitarbeitenden ihren Dienst umstellen mussten: "Die Bedingungen änderten sich rasant", so Meiners. "Jetzt musste ich viel mehr über Telefon und Internet beraten. Aber auch das hat gut funktioniert." Nur in besonderen Fällen, bei Anträgen an Stiftungen oder bei der Auszahlungen finanzieller Hilfen gab es noch persönlichen Kontakt. Anmeldungen zur Beratung ließen sich in der Krise nicht mehr wie bisher planen. Es kamen mehr kurzfristige Anfragen. Dirk Meiners musste improvisieren, extrem flexibel sein und sich - quasi über Nacht - auf die neue Situation einstellen.

Heute zieht er ein positives Resümee: "Viele intensivere Beratungen waren möglich, zum Teil konnte ich öfter mit einzelnen Klienten reden. Das änderte die Qualität der Beratungen positiv - für mich und für die Ratsuchenden." Was ihm noch schwer im Magen liegt, sind die problematischen, weil sehr langen Bearbeitungszeiten bei Behörden, wenn Meiners ALG II, Wohngeld und Kinderzuschlag beantragt: "Was nützt die beste Beratung, wenn finanzielle Hilfen nach Wochen, manchmal auch nach Monaten noch nicht fließen?"

Eine Zielgruppe macht dem Sozialarbeiter zurzeit besonders viele Sorgen: gering qualifizierte Mitarbeiter, vor allem Zeitarbeiter, die in der Corona-Krise als erste ihren Job verlieren. Und selbst bei großen Betrieben geht die Angst um: Firmen wie ZF (Friedrichshafen) haben bereits Entlassungswellen angekündigt. Der Caritas-Mitarbeiter befürchtet: "Wir haben die Talsohle noch nicht durchschritten. Die große Not kommt erst noch auf uns zu."

Auch dann wird Dirk Meiners wieder in seinem Friedrichshafener Büro sitzen und geduldig und kompetent die Menschen in ihrer Not beraten. Und er wird hoffen, "dass wir das mit unseren knappen Personal- und Finanzressourcen irgendwie hinbekommen".

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